Von Priscila Rios 2026 März, 19

KI in der Rechtsabteilung: Status Quo und Zukunftsperspektiven

Am 26. Februar 2026 kamen wir beim BUJ-Regionaltreffen im Munich Urban Colab zusammen, um gemeinsam mit rund 30 Inhouse-Juristen die KI-Transformation der Rechtsabteilung zu beleuchten.

Wie weit sind Rechtsabteilungen wirklich, wenn es um die Einführung von Künstlicher Intelligenz geht? Welche Strukturen müssen geschaffen werden, damit KI über die Experimentierphase hinauswächst und zu einem verantwortungsvollen, skalierbaren Werkzeug wird, das den juristischen Arbeitsalltag erleichtert?

Diese zentralen Fragen standen im Mittelpunkt des jüngsten BUJ-Regionaltreffens in München, bei dem wir rund 30 Inhouse-Juristen im Munich Urban Colab begrüßen durften. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Unternehmensjuristen (BUJ) veranstalteten wir einen Abend, der den Fokus weg vom theoretischen Hype hin zu greifbaren Einblicken in die Praxis lenkte.

Strategie und Praxis: Die Keynote von Siemens

Ein großes Highlight war die Keynote von Dr. Matthias Wöllner, AI-Delivery Team Co-Lead bei Siemens. In seiner Präsentation beleuchtete er die zwei Seiten der Medaille, mit denen sich jede moderne Rechtsabteilung befassen muss:

  • Strukturelles Empowerment: Wie stellt sich eine Rechtsabteilung organisatorisch und regulatorisch auf, um überhaupt „KI-ready“ zu werden? Er betonte die Notwendigkeit klarer Governance-Strukturen als Fundament für Innovation.
  • Produktiver Einsatz: Die vorgestellten Use Cases zeigten, dass KI bei Siemens keine Zukunftsvision mehr ist. Von der automatisierten Dokumentenanalyse bis hin zur Unterstützung bei komplexen Entscheidungsprozessen, die Beispiele machten deutlich, wie KI im juristischen Umfeld bereits heute produktiv und wertschöpfend eingesetzt wird.

Innovation „Made in LTC“: Drei Praxis-Lösungen

Die Pitches von drei LTC-Mitgliedern zeigten, dass die technologische Antwort auf diese Herausforderungen oft aus dem Startup-Ökosystem kommt. Sie präsentierten Lösungen, die bei Rechtsexperten bereits in der Praxis im Einsatz sind:

  • trail (Anna Spitznagel): Mit dem Fokus auf AI Governance und AI Risk Management adressiert trail eine der größten Hürden für Unternehmen: Die Plattform unterstützt Organisationen bei der Implementierung verantwortungsvoller KI-Strukturen, die sowohl regelkonform (compliant) als auch operativ effizient sind.
  • Codara (Bernhard Landrichter & Christian Kaindl): Die eigens aus Wien angereisten Gründer demonstrierten, wie proaktive Compliance heute aussieht. Ihre Lösung automatisiert das Monitoring regulatorischer Entwicklungen und ermöglicht eine strukturierte Bewertung von Gesetzesänderungen: ein entscheidender Hebel gegen die zunehmende Informationsflut.
  • bayshore (Paul F. Welter): Hier liegt der Fokus auf der Automatisierung komplexer Rechts- und Compliance-Prozesse. Basierend auf granularen „Wissensbäumen“ (Knowledge Trees) ermöglicht bayshore eine Automatisierung, die jederzeit nachvollziehbar und kontrollierbar bleibt – passgenau zugeschnitten auf die unterschiedlichen Rollen und Bedürfnisse innerhalb einer Rechtsabteilung.

Verbindung von Praxis und Innovation

Nach den intensiven fachlichen Einblicken ging der Abend in eine entspannte Networking-Session über. Bei Drinks und Snacks nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Brücke zwischen etablierter Unternehmenspraxis und dem frischen Geist der Legal-Tech-Gründer zu schlagen.

Unser Dank gilt auch Nader Karama und Dr. Christoph Schmitz vom BUJ für die hervorragende Zusammenarbeit bei diesem Event.