Von Priscila Rios 2026 August, 10

Legal Tech im Silicon Valley: Der LTC-Reisebericht

Unser Team war drei Tage im Silicon Valley unterwegs und hat mit Investoren, Startups und Forscher:innen in San Francisco, Stanford und Berkeley über den aktuellen Stand von Legal Tech und Legal AI gesprochen. Hier fassen wir die wichtigsten Eindrücke der Reise zusammen: von Gesprächen mit VCs bis zu Googles Moonshot Factory.

Legal Tech trifft Silicon Valley

Drei intensive Tage, ein volles Programm und jede Menge neuer Perspektiven: Unser Operational Director Moritz Krüsselmann und unser Managing Director Alexander Laprell waren gemeinsam mit unserem Academic Director Prof. Dr. Matthias Grabmair in der Bay Area unterwegs, um mit Investor:innen, Gründer:innen, Professor:innen und Institutionen über den Stand von Legal Tech und Legal AI im Silicon Valley zu sprechen.

Unser Fazit vorab: Legal Tech ist in San Francisco und Stanford längst kein Nischenthema mehr, sondern fest auf der Agenda von Venture Capital, Forschung und sogar der Moonshot Factory von Google angekommen.

Brücken zwischen München und der Bay Area

Den Auftakt machte ein Besuch bei Start2 Group, die deutsche Startups im Rahmen des German-Accelerator-Programms beim Markteintritt in die USA unterstützen. Direkt im Anschluss folgte ein Gespräch mit Sven Thorsten Potthoff, Geschäftsführer der AHK USA – San Francisco (GACC WEST), die deutsche Unternehmen ebenfalls bei der internationalen Expansion begleitet. Für alle, die über eine Expansion in die USA nachdenken, lohnt sich ein Blick auf beide Programme.

Weiter ging es zu Vals AI, deren Team Benchmarks entwickelt, um die Stärken und Schwächen von LLMs branchenspezifisch (etwa für Medizin, Finance und Legal) zu vermessen. Damit schafft Vals AI Transparenz darüber, welches Modell für welchen Anwendungsfall wirklich vorne liegt, und wo ein kleineres oder günstigeres Modell ausreicht. Den Abschluss dieser Station bildete Creandum, einer der führenden europäischen SaaS-Investoren mit Präsenz im Silicon Valley, bekannt durch Investments in Spotify, Klarna und zuletzt Lovable. Creandum zeigt eindrucksvoll, dass sich europäische VCs vor Größen wie A16Z oder Sequoia nicht verstecken müssen: nicht zuletzt, weil Schweden europaweit die höchste Unicorn-Dichte pro Einwohner aufweist.

Die Datenfrage: Zwei Kulturen, zwei Antworten

Ein Thema zog sich durch fast alle Gespräche: die Bedeutung von Trainingsdaten für die KI-Entwicklung und das Tempo, mit dem sich dieses Feld bewegt. Während die großen AI-Labs derzeit alles sichern, was an Trainingsdaten verfügbar ist, stellten Alex und Moritz als deutsche Juristen naturgemäß Fragen zu Urheberrecht, Datenschutz und Regulierung.

Die Antwort vieler Gesprächspartner:innen war unverblümt: Wenn andere Regionen ebenfalls unreguliert trainieren, sei die eigentliche Frage nicht, ob man Risiken eingeht, sondern ob man das globale KI-Rennen gewinnt. Hier zeigte sich ein klarer kultureller Unterschied: Während wir in Europa zuerst nach Risiken fragen, fragt man im Silicon Valley zuerst nach Chancen: erst machen, dann fragen. Ob dieses Modell für Europa der richtige Weg ist oder ob uns etwas mehr Silicon-Valley-Mentalität gut täte, bleibt eine offene und diskussionswürdige Frage.

Inkubatoren, Beteiligungen und ein Legal Moonshot

Auch die Universitäts-Inkubatoren durften auf unserer Route nicht fehlen – wobei Stanford und Berkeley kaum unterschiedlicher sein könnten. StartX (Stanford) funktioniert ähnlich wie die TUM Venture Labs: kein direktes Funding, keine Equity, der Fokus liegt auf Netzwerk, Coaching und Mentoring; mindestens ein:e Gründer:in sollte eine Stanford-Affiliation oder eine Empfehlung aus dem Alumni-Netzwerk mitbringen. Berkeley SkyDeck denkt globaler und steht grundsätzlich auch deutschen Startups ohne Berkeley-Bezug offen, im Gegenzug für 200.000 US-Dollar Startkapital wird jedoch entsprechend Equity abgegeben. Bewerbungen sind zweimal jährlich möglich, ein Teil erfolgreicher Investments fließt an die Universität zurück.

Anschließend waren wir zu Gast bei X, the Moonshot Factory von Google. Scheitern ist bei X einkalkuliert und Teil der Philosophie: Während Waymo heute weltweit im Einsatz ist, kam etwa Google Glass als Consumer-Produkt zu früh und wurde eingestellt. Ein besonderer Dank geht an Alexander Zoellner für die Führung und die Unterstützung der TUM Venture Labs. Für Legal Tech besonders relevant: Ende Februar veröffentlichte X seinen „Moonshot for Specialized Professional Intelligence“ mit dem Ziel, domänenspezifische KI für Juristen, Mediziner:innen und Finanzexpert:innen zu entwickeln, die mit großen Mengen sensibler, privater Dokumente arbeiten. Ein klares Signal: Selbst Googles Moonshot Factory hat den Rechtsmarkt im Blick.

Stanford: Forschung, Vernetzung und Legal-Tech-Talente

Kein Besuch der Bay Area wäre ohne eine Station in Stanford komplett. Dort trafen wir zunächst Daniel Ho, Director des Stanford RegLab (Regulation, Evaluation, and Governance Lab), das in enger Zusammenarbeit mit Regierungsbehörden Data-Science- und Machine-Learning-Projekte für die öffentliche Hand entwickelt. Danach sprachen wir mit Dr. Megan Ma und Julian Nyarko über ihre Arbeit am LIFT Lab (Legal Innovation through Frontier Technology), das erforscht, wie KI die Arbeitsweise von Juristinnen und Juristen verändern wird. Den Abschluss bildete ein Gespräch mit dem Team des Roland Vogl geleiteten CodeX, The Stanford Center for Legal Informatics. An Rolands Beispiel wird sichtbar, wie sich Forschung und Startups in den USA gegenseitig befeuern: Er ist nicht nur Law Professor in Stanford, sondern auch Investor und Berater zahlreicher AI- und Legal-Tech-Startups.

Ein besonders schöner Abschluss war das Get-Together mit der Stanford German Student Association, bei dem wir die Arbeit der TUM Venture Labs und des LTC vorstellen und einige alte Bekannte aus dem UnternehmerTUM-Netzwerk wiedertreffen konnten. Ein besonderer Dank geht an Lenard Strahringer für die Organisation und an Jack Fuchs, der mit seiner kalifornischen ID die Getränkelieferung rettete.

Und noch eine Ankündigung für Legal-Tech-Talente: In Kooperation mit Stanford plant der LTC ab Herbst 2026 ein Scholarship für Masterstudent:innen. Wer sich dafür interessiert, sollte sich für unseren LTC-Talent-Pool anmelden, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Ein herzliches Dankeschön an alle Gesprächspartner:innen in San Francisco, Stanford und Berkeley, die sich Zeit für uns genommen haben!

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